Familien-Musikwochenende

Familien-Musikwochenende
des AMJ in Hitzacker
Familien-Musikwochenende
des AMJ in Hitzacker

Bericht vom FaMuWo September 1999

Wolfgang Stapelfeldt

Da macht man nun Tag für Tag oder Woche für Woche daheim im stillen Kämmerlein Musik (sofern man als Berufstätiger, Familienvater und Ehemann dazu die Zeit findet), schaut den Kindern beim Musizieren auf die Finger und in die Noten - und eines Tages fragt man sich: wo sind eigentlich die ganzen anderen Familien, in denen Musik nicht nur eine untergeordnete oder rein gesellschaftlich orientierte Rolle spielt? Klar, im Bekanntenkreis kennt man welche - aber gern würde man diesen Kreis doch erweitern. Nicht jammern, sondern aktiv werden, dachte ich mir als wohlmeinender "Familienvorstand". Über eine Musikpädagogin erfuhr ich vom AMJ, informierte mich, trat bei und meldete uns für das Familienmusikwochenende (welch ein a-rhythmisches Wort) vom 24. - 26. September 1999 in Hitzacker an. Die Familie wurde gar nicht erst gefragt. Aber es gab auch keinen Protest (wäre ja auch noch schöner...!);

Natürlich waren dann alle gespannt, als es soweit war. Am Freitag kamen wir dank der großartigen Ausschilderung im Kreis Uelzen in Hitzacker an und waren zunächst einmal begeistert, die schöne Jugendherberge ganz "für uns" (will heißen: ganz für die Musik) zu haben. Freundlicher Begrüßung folgte ein feines Abendessen, dann ging es ins erste Plenum. Die Vorstellung aller Teilnehmer bestätigte die Vermutung: Musikfreunde treffen sich irgendwann einmal wieder - ich zum Beispiel einen Menschen, den ich 20 Jahre nicht gesehen hatte. Und noch eines fiel auf: Musik kennt keine (Alters-)Grenzen. Es gab viele menschliche Begegnungen, die wohltaten und die eben nicht durch Generationsabgrenzungen verbaut wurden. Schade, daß die kommunikative Zeit mitunter eher knapp bemessen war.;

Allerdings: es war ein Musikwochenende. Und so stand die Tonkunst mit vielen Facetten von Anfang bis Ende im Mittelpunkt - gemeinsam und in den einzelnen Gruppen. Das Plenum war hin (und her-)gerissen von Drachenflug und Zirkusflair, die Gruppen sangen, flöteten, geigten, tanzten, "orfften" und "percussionierten" was das Zeug bzw. das Instrument (aus)hielt - einschließlich der Stimmbänder. Kinderorchester, Jugendorchester, erwachsene Tänzer, jugendliche Tänzer, beide zusammen - was chaotisch klingt, war in Wirklichkeit wohlgeordnet, nicht zuletzt dank der engagierten und auch liebevollen Leiter(innen). "Wo man singt, da laß dich ruhig nieder" ... Na ja, auch böse Menschen haben ihre Lieder - aber darüber machte sich an diesem Wochenende wohl niemand Gedanken.;

Mehr Gedanken machte ich mir mit fortschreitender Zeit um die Kondition nicht nur unserer Kinder (auch um die eigene). Und manches Mal wünschte ich mir, es gäbe mehr Zeit zum Durchatmen, zum Verarbeiten. Ein wenig mehr piano hier, eine längere Generalpause da - oder auch nur eine Fermate... zumindest unseren Kindern hätte es gutgetan. Ein kurzer Streik war die Folge, aber als alles vorbei war, kam dann doch die Frage nach dem nächsten Mal!;

Alles vorbei: das war am Sonntagnachmittag nach einer Coda, in der alle Ergebnisse unseres musikalischen Feuereifers zusammen- und vorgetragen wurden: Händel, Schubert, Star Wars, Grease, Schornsteinfeger, Marktweiber --- die Welt der Musik ist eben grenzenlos.;