Familien-Musikwochenende

Familien-Musikwochenende
des AMJ in Hitzacker
Familien-Musikwochenende
des AMJ in Hitzacker

Bericht vom FaMuWo 49

Katrin Besch

Wir befinden uns in der Zeitrechnung einen Monat nach dem Ereignis "Familienmusikwochenende in Hitzacker". Noch immer dudeln und pfeifen unsere Kinder (8/6) die Hitzackerlieder. Es fing damit an, dass die Chorleiterin unserer Kinder mir des öfteren das Familien-Musikwochenende des AMJ in Hitzacker heiß ans Herz legte. Als wir die Anmeldebestätigung und die Noten für die Kinderorchesterstücke bekamen, fingen wir an, uns vorsichtig zu freuen. Der männliche Part in unserer Familie freute sich skeptisch. Wir wussten ja nicht, was uns erwarten würde. Waren wir für eine derartige Ansammlung von musizierenden Familien überhaupt geeignet - wir, die kritischen Individualisten? Würde es uns zu viel Trubel werden? Ich packte vorsichtshalber haufenweise Essensvorräte ein. Wer weiß, wie das Herbergsessen ist und ob es reicht. Den Rotwein nicht vergessen - und Lektüre für die freie Zeit. (Das Herbergsessen war dann vorzüglich und reichlich.). Dann war es der volle Erfolg! Wir vier hatten ein wunderbares, intensiv gelebtes, glückbringendes Familien-Musikwochenende. Noch heute sind die Kinder und wir Eltern dankbar erfüllt davon, reden schon vom "nächsten Mal".

Für uns Neulinge war die straffe Organisation des Zeitplanes durch die Verantwortlichen (Gruppenleiter) bemerkenswert. Nicht, dass es ein soldatisches "in-die-Pflicht-nehmen" gewesen wäre, nein, es wurde mit Freundlichkeit, Herzenswärme und Enthusiasmus zum gemeinsamen Tun animiert. Man wurde (auch wir als Debütanten) sofort in den "Geist von Hitzacker" eingebunden, wurde angesteckt von der Intensität und Begeisterungsfähigkeit, aber insbesondere auch vom fachlichen Können der Gruppenleiter.

Nachdem die ersten Chorlieder im Plenum gleich am ersten Abend mit musikalischer Präzision und Temperament dirigiert wurden, verflog unsere Skepsis schnell. Zum Glück kein langes Diskutieren, keine langen Reden, kein langes Abklopfen von Interessengebieten, keine Zeitverschwendung sondern sofort "in medias res". Zum Glück auch kein musikalischer Dilettantismus. - Und so blieb es das ganze Wochenende, mehr noch: es war ein permanentes Crescendo bis zum Abschluss-plenum.

Folgende Musiziergruppen wurden für die verschiedenen Altersgruppen und entsprechend den jeweiligen Fähigkeiten der einzelnen jungen Teilnehmer angeboten: Orchester, Percussionsgruppe, Kinderorchester, Orffgruppe, Blockflötengruppe, Sing- und Spielgruppe, Erwachsenenchor, Jugendchor. In den verschiedenen Gruppen wurde konzentriert an den Stücken für das Abschlussplenum gearbeitet. Das Ergebnis dieser Arbeit konnten alle Teilnehmer beim großen Abschlussplenum hören und bestaunen. Die musikalischen Ergebnisse waren erstaunlich und die Konzentriertheit und Ernsthaftigkeit der Kinder und Jugendlichen beim Musizieren und Präsentieren beeindruckend und mitreißend. Nur eines überschattete die Stimmung beim Abschlussplenum: Der Abschied von Hitzacker stand unmittelbar bevor. Während der Darbietungen der Einstudierungen der verschiedenen Gruppen hörten die anderen Gruppen, Erwachsene wie Kinder, konzentriert und mit großer Aufmerksamkeit und Teilnahme zu. Sogar die Kleinsten waren hingerissen. Es war ein einziges wechselseitiges Geben und Nehmen.

Das ist das Schöne am Familien-Musikwochenende in Hitzacker: Man verbringt das Wochenende auf ganz besondere Art und Weise als Familie zusammen, und doch hat jedes Familienmitglied selbständig seine Aufgaben in den unterschiedlich musikalisch arbeitenden Gruppen. Alle musizieren mit Gleichgesinnten, tauschen sich mit Gleichgesinnten aus und entfliehen für ein Wochenende der sonst für den Alltag so typischen Musikerübeeinsamkeit. Und sollte den Kindern und Erwachsenen vom Singen und Üben einmal der Kopf geraucht haben, so konnten alle in hervorragend organisierten Tanzgruppen Dampf ablassen und den Körper (auch den Geist) in der Bewegung lockern.Eine gelungene Mischung Geist und Körper in Einklang zu halten! Alle Aktivitäten dieses Wochenendes (Inhalte der Gruppenarbeit, zeitlicher Ablauf der Programmpunkte, Auswahl der Musikstücke, die Tanzinszenierungen, Einteilung des Tisch-dienstes etc.) ließen eine gewissenhafte und engagierte Vorbereitung durch die Verantwortlichen vermuten. Wir waren sehr dankbar dafür, denn alles lief "wie am Schnürchen". Kommunikation und Gedankenaustausch sind neben der vor allem für die Kinder und Jugendlichen wichtigen gemeinschaftlichen musikalischen Arbeit für uns bedeutende Aspekte gewesen. Die Rotweinflaschen mussten wir nicht wieder mit nach Hause nehmen. Die Lektüre für die freie Zeit blieb ungelesen. Menschen und Musik waren interessanter.